Netzwerk nach China verstärkt
China ist wegen seiner bloßen Größe und einer Bevölkerung von 1,3 Mrd. natürlichermaßen einer der wichtigsten Akteure der globalen Ernährungswirtschaft. Es vereinigt mehr als 50% des weltweiten Schweinefleischkonsums auf sich und liegt auch bei den anderen Fleischarten und bei Fisch in der Spitzengruppe. 70% aller Aquakulturaktivitäten finden bereits in China statt – Tendenz steigend.
Hinter diesen beeindruckenden Zahlen steht allerdings auch eine Vielzahl an Problemen, die nahezu alle ihren Ursprung in der wenig nachhaltigen Art der Landwirtschaft und der verarbeitenden Industrie haben und die am Ende viele Lebensmittel in China als risikoreich erscheinen lassen. Skandale wie die Verfälschung von Milchpulver durch Melamin sind nur die Spitze des Eisbergs.
Trotzdem ist China für die heimische Lebensmittelindustrie zunehmend von Interesse, da ein Wachstum des Wirtschaftssegments praktisch nur noch über den Export erreichbar ist. Aber auch auf der Seite der Rohstoffversorgung bietet China viele Möglichkeiten.
Im Rahmen eines chinesisch-deutschen Symposiums haben sich in der vergangenen Woche an der Universität in Nanchang Wissenschaftler aus beiden Ländern zu dem Themenbereich food safety ausgetauscht. In großer Offenheit wurden u.a. Themen wie Organisation der amtl. Lebensmittelüberwachung, Aquakultur, Genfood, Acrylamid und 3-MCPT Ester zum Teil kontrovers diskutiert. Für das DIL berichtete Dr. Volker Heinz über industriell einsetzbare Minimierungsstrategien zur Verhinderung der Bildung toxischer Substanzen, wie z.B. Acrylamid.
Insgesamt ist festzustellen, dass China gegenwärtig enorme Anstrengungen zur Verbesserung der Lebensmittelsicherheit auf breiter Front unternimmt und erste Erfolge bereits sichtbar werden. Trotzdem kommt China hauptsächlich wegen mangelnder Analyse- und Rückverfolgungssysteme in der Ernährungswirtschaft derzeit noch nicht als bedeutender Rohstofflieferant für die westliche Lebensmittelindustrie in Frage. Aufgrund der enormen Dynamik der Wirtschaftsentwicklung kann sich dieses jedoch rasch ändern.
Die Veranstaltung in Nanchang wurde auf deutscher Seite von der Senatskommission zur Beurteilung der gesundheitlichen Unbedenklichkeit von Lebensmitteln (SKLM) der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) organisiert. Der wissenschaftliche Teil des Symposiums wurde von Prof. Eisenbrand (Vorsitzender SKLM) zusammen mit Prof. Xie von der Universität Nanchang geleitet.
Die SKLM berät Behörden und Regierung in Fragen der gesundheitlichen Unbedenklichkeit von Lebensmitteln. Die gesundheitliche Bewertung von Lebensmitteln, unter Einschluss neuartiger und funktioneller Lebensmittel, betrifft die Beurteilung von Inhalts- und Zusatzstoffen, aber auch die Bewertung neuartiger Lebensmitteltechnologien / Verfahren.
Stellungnahmen und Beschlüsse zu aktuellen Themen können auf der Homepage der SKLM nachgelesen werden:



