Maßgeschneiderte Forschung für die Industrie
Programm ZIM fördert F&E-Aktivitäten im Bereich Technologie. Erfolgsbeispiel Forschungsprojekt DIL – Herbst Maschinenfabrik GmbH.
Wie können kleine und mittelständische Unternehmen den vielfältigen Marktanforderungen und dem internationalen Wettbewerb begegnen? Ein wichtiges Standbein dafür sind neue Entwicklungen, aber nicht jedes Unternehmen besitzt ausreichend eigene F&E-Ressourcen. Allerdings stehen auch diesen Unternehmen Innovationsmöglichkeiten zur Verfügung, wie das folgende Beispiel zeigt.
Die im Jahr 1874 gegründete Herbst Maschinenfabrik GmbH vertreibt weltweit Misch- und Rührapparate an Kunden aus den Bereichen Lebensmittel, Kosmetik, Chemie und Pharma. Mit einem Lieferprogramm, das sowohl Planetenrührwerke als auch Zentralrührwerke umfasst, deckt Herbst nahezu alle Anwendungsbereiche der Mischtechnik ab. Das mittelständische Unternehmen mit zurzeit 25 Mitarbeitern ist auf Wachstumskurs. Sowohl an dem Hauptsitz in Buxtehude investiert der Maschinenbauer stark in die Erweiterung der Produktionsstätten als auch in einen zweiten Standort in Neukirchen.
Als Mitgliedsunternehmen des Deutschen Instituts für Lebensmitteltechnik e.V. aus Quakenbrück ist der Mittelständler auf das Potential aufmerksam geworden, das sich der Industrie durch staatliche Förderinstrumente bietet. So planen Herbst und DIL zurzeit ein gemeinsames Forschungsprojekt im Rahmen des ZIM-Fördermoduls, um eine auf das Unternehmen zugeschnittene Technologie zu entwickeln. Auf diese Weise können neue Anwendungsfelder erschlossen und Kompetenzen aufgebaut werden.
Der Maschinenbauer und das Forschungsinstitut haben es sich zur Aufgabe gemacht, einen speziellen Mischapparat zu konstruieren und zu fertigen, der ein optimiertes Mischergebnis in Verbindung mit einem beschleunigten Wärmeübergang ermöglicht. Herbst erwartet durch diese innovative Technologie, die das Unternehmen zur Marktreife bringen will, einen großen Wettbewerbsvorteil.
Die Projektidee selbst wurde aus den Anforderungen des Marktes heraus geboren. In Folge ist Herbst mit der Problemstellung an das DIL herangetreten. Mit dem zusätzlichen Wissensinput der Experten des Instituts, die auf eine langjährige Erfahrung in den verschiedensten Lebensmittelbereichen wie Produkt- und Prozessentwicklung, Lebensmittelsicherheit und Spezialmaschinenbau zurückgreifen können, gelang es, gemeinsam ein passgenaues und effizientes Lösungskonzept zu entwickeln.
Dieses ist nicht das erste öffentlich geförderte Projekt, welches der innovative Maschinenbauer gemeinsam mit dem DIL durchführt. So Dr. Ralph Wicke, Leiter Verfahrenstechnik/Vertrieb von Herbst: „Wir haben sehr gute Erfahrungen mit ZIM gemacht. Letztendlich wäre diese Apparateentwicklung ohne eine derartige Förderung nicht oder nur sehr schwer durchführbar.“
Denn im Rahmen von ZIM wird den Unternehmen ein nicht zurückzuzahlender Zuschuss gewährt. Dieser liegt bei max. 175.000 Euro (25 bis 50 % der förderfähigen Gesamtkosten eines Projektes von max. 350.000 Euro).
Ein weiterer Vorteil: Die Unternehmen bekommen nicht nur Ihre eigenen Leistungen bezuschusst, sondern sie erhalten die Entwicklungsleistungen des Forschungspartners gleichsam kostenfrei dazu. So steht das DIL nicht nur als Ideengeber bereit, sondern es stellt seine Resourcen hinsichtlich Technikum, Labor und Fertigung zur Verfügung. Beim aktuellen Herbst-Projekt zeichnet das Institut u.a. für die Mess- und Steuerungstechnik verantwortlich. Überdies werden in den DIL-Laboren die mit dem Prototypen verarbeiteten Lebensmittel stetig charakterisiert. Die Ergebnisse, die z.B. darüber Auskunft geben, ob die Produkte im Mischvorgang überhitzt wurden, werden in die laufenden Entwicklungsarbeiten eingebunden. So können die Maschinenweiten und Parameter wie Drehzahl an die Rezeptur angepasst und produktspezifische Fahrprogramme aufgestellt werden.
Über die Entwicklungsaktivitäten hinaus betreut das DIL die Unternehmen und unterstützt sie bei Regularien und Organisation – basierend auf seiner langjährigen Erfahrung mit Forschungsprojekten und Förderungsinstrumenten.
Dr. Achim Knoch, Leiter der DIL Produktentwicklung, ist von dem Fördermodul überzeugt: „ZIM-Projekte sind in der Förderlandschaft sehr unkomplizierte Instrumente mit einer schnellen Antragsbegutachtung von ca. drei Monaten. Es ist eines der wenigen Programme, das trotz der Förderung beider Partner die Vertraulichkeit des Projektes berücksichtigt.“
Das DIL hat bislang 9 Projekte im Rahmen von ZIM bzw. den Vorgängern Pro Inno und Pro Inno II abgeschlossen, 4 weitere befinden sich zurzeit in Bearbeitung. Die Arbeitsteilung zwischen Unternehmen und Institut wird im Projektantrag festgelegt, die Laufzeit dauert in der Regel zwei Jahre.
Ansprechpartner Produktentwicklung beim DIL:
Dr.-Ing. Achim Knoch
Telefon: 05431.183-142
E-Mail: a.knoch@dil-ev.de
www.dil-ev.de
Über ZIM
Das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) ist ein marktorientiertes Modul zur Technologieförderung, bereitgestellt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Als bundesweites, technologie- und branchenoffenes Förderprogramm fokussiert ZIM auf kleine und mittlere Unternehmen und mit diesen zusammenarbeitenden wirtschaftsnahen Forschungseinrichtungen.
Unter dem Motto „Impulse für Wachstum“ soll in dem Zeitraum vom 01. Juli 2008 bis Ende 2013 die Innovationskraft der KMUs nachhaltig unterstützt und ein Beitrag für deren Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit geleistet werden. Gefördert werden Kooperations- und Netzwerkprojekte und seit 2009 zusätzlich auch Einzelprojekte. Zurzeit können auch größere Unternehmen von ZIM profitieren.
Es liegt eine enorme Nachfrage von Seiten der Wirtschaft vor. Inzwischen sind mehr als eine Milliarde Euro an Fördermitteln für den Zeitraum 2008-2012 für mehr als 8000 Projekte bewilligt worden. Durch die wissenschaftliche Begleitforschung wird gewährleistet, dass die Mittel volkswirtschaftlich bestmöglich eingesetzt werden. Das ZIM ist schon heute eines der erfolgreichsten mittelstandsorientierten Technologieförderprogramme der letzten dreißig Jahre.



