Wissen für innovative Lebensmittel
13.07.09

Neuartiges Reinigungsverfahren

Ein alternatives Verfahren zur Reinigung von Anlagen für pulverförmige Produkte wurde im Rahmen eines Kooperationsforschungsprojektes erarbeitet. Mit diesem können Verschleppungen allergener Lebensmittelbestandteile minimiert werden.

Die Neuregulierung der Lebensmittelkennzeichnung zum besseren Schutz der Verbraucher vor möglichen Allergie auslösenden Stoffen in den Lebensmitteln erfordert auch neue Ansätze für die Reinigung der Maschinen und Behälter. Ein Aspekt dabei ist die möglichst vollständige Vermeidung der Verschleppung allergener Bestandteile zwischen den Produktchargen, wie z.B. bei der Herstellung von Backmischungen und Fertigcompounds für Bäckerhandwerk und Industrie. In diesen Anlagen erfolgt die Reinigung nach Produktwechsel normalerweise trocken, wobei bislang vor allem hygienische Aspekte (keine Wasserreste in der Anlage), sensorische Qualität und Einhaltung der deklarierten Mengen maßgeblich waren.

Um freies Wasser in der Anlage zu vermeiden, wurde ein bisher nur in der Biotechnologie eingesetztes Verfahren für diese speziellen Reinigungsanforderungen adaptiert und weiterentwickelt. Das Verfahren basiert auf einer konzentrierten Lösung mit Hydrokolloiden (u.a. Gelatine), die nach dem Aufbringen einen Film bildet und sich anschließend von der Oberfläche zusammen mit den gebundenen Verunreinigungen entfernen lässt. Im Rahmen des 30-monatigen Vorhabens wurden die entsprechenden Untersuchungen zur Optimierung der Reinigungslösung sowie deren Aufbringung und Entfernung erarbeitet.

Dabei zeigte sich, dass Versprüheigenschaften und Benetzungsverhalten durch Zusätze an die jeweiligen Anforderungen vor Ort sehr gut angepasst werden können. So konnte mittels Emulgatorzusatz insbesondere die Einbindung von Produktresten, z.B. von fetthaltigen Pulvern, optimiert werden. Der Auftrag der Lösungen für die Ausbildung der Oberflächenfilme war mittels Zweistoffdüse und Druckluft sehr gut möglich. Die entsprechenden Filme ließen sich nach kurzer Zeit gut abziehen. Bei der praxisnahen Erprobung des alternativen Reinigungsverfahrens an einem Pflugscharmischer im Technikum des DIL zeigte sich, dass eine annähernd vollständige Vermeidung der Verschleppung mit dem alternativen Verfahren möglich ist.

Parallel zu der Entwicklung des Verfahrens wurden in dem Projekt Nachweismethoden für Allergene aus Milch, Ei und Haselnuss in unterschiedlichen Lebensmittelmatrizes erarbeitet. Dabei lag der Fokus auf geeigneten Extraktionsmitteln und –bedingungen zur Gewinnung der allergenen Proteine. Es zeigte sich ein teilweise erheblicher Einfluss der Lebensmittelmatrix auf die Trennschärfe und die Empfindlichkeit der Nachweisverfahren.

Mit diesem Forschungsvorhaben sind somit die erforderlichen wissenschaftlich-technischen Grundlagen erarbeitet worden, um darauf basierend das neue Reinigungsverfahren an die konkreten Bedingungen im jeweiligen Unternehmen anzupassen und zu optimieren. Seitens des DIL stehen dazu sowohl die gerätetechnischen Ausrüstungen als auch das entsprechende Know-how einschließlich der Analytik der Allergene in unterschiedlichen Lebensmitteln zur Verfügung.

Das Projekt wurde im „Programm zur Förderung der industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF)“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (via AiF) über den Verein Energie und Umwelt e.V. (VEU) gefördert (AiF-Projekt-Nr.: 14805 N) und von folgenden drei Forschungsstellen bearbeitet:

 

DIL - Deutsches Institut für Lebensmitteltechnik e. V.
49610 Quakenbrück

Institut für Energie- und Umwelttechnik e.V.
47229 Duisburg

Universität Hamburg, Institut für Biochemie und Lebensmittelchemie
20146 Hamburg

Für weitere Informationen zum Projekt wenden Sie sich bitte an:

Dr. Knut Franke
Tel: +49 (0) 5431 183 - 144
E-mail. k.franke@dil-ev.de